• Anne

30 Tage vegan leben - Veganuary2022 - Ein Erfahrungsbericht

Der vegane Januar dieses Jahr ist geschafft und ich möchte euch sehr gerne ein kleines Fazit bzw. einen Erfahrungsbericht da lassen. Was hat sich gut angefühlt? Was war eine Umstellung? Was werde ich beibehalten? Worüber bin ich froh, dass es nun vorbei ist?


Ich habe in den letzten 30 Tagen sehr genau auf meinen Körper gehört und geachtet und möchte hier meine Erfahrungen teilen. Vielleicht kann ich damit ja den/die eine/n oder andere/n inspirieren auch mal einen Monat (oder länger?) vegan zu leben.

Die Ausgangssituation

"Veganuary" das Wort an sich ist mir zum ersten Mal Ende 2020 unter die Augen gekommen. Damals war mein Instagram Account noch ganz neu, ich hatte gerade mit dem Kochen und Backen angefangen und war, was Lebensmittel, Ernährungsweisen und Rezepte angeht noch sehr grün hinter den Ohren. Einige Accounts, denen ich damals gefolgt bin, haben dann Werbung für ihren ganz persönlichen veganen Januar 2021 gemacht. Ich habe mir erstmal nichts weiter dabei gemacht, fand die Idee zwar interessant aber eben auch nicht mehr und auch nicht für mich passig.. so gingen die letzten 13 Monate dann ins Land und im Dezember 2021 - jetzt mit deutlich mehr "Küchenerfahrung" kam mir wieder der "veganuary" auf Instagram unter. Ich folgte bis dato nicht mal explizit veganen Accounts, trotzdem war die Werbung überall und ich dachte mir "Warum nicht?"... Wie schwer kann das schon sein?


Kleiner Spoiler: Es war tatsächlich gar nicht so schwer. Ein paar Dinge musste ich umstellen (vegane Kochsahne, statt Richtiger; kein Fisch; kein Fleisch - logischerweise) andere Dinge blieben unverändert. Ich trinke zB seit ein paar Jahren schon keine Kuhmilch mehr, sondern bin auf Hafer-, Soja- oder Mandelmilch umgestiegen.Das hatte damals gewichtstechnische Gründe. Ich bin treue WeightWatchers Nutzerin seit gut 3 Jahren und Pflanzenmilch hat einfach weniger Punkte. Mittlerweile schmeckt sie mir auch einfach besser als normale Kuhmilch.


Neben dem was sich änderte und dem was blieb, hieß vegan leben auch verzichten. Besonders schwer fiel mehr der Verzicht bei Eiern. Pro Woche esse ich schon so meine 5-6 Eier und am Wochenende gibt es doch auch mal Rührei - das fiel nun weg. Obwohl es da mittlerweile auch wirklich gute Alternativen gibt. Bei Käse hätte ich viel eher gedacht, dass mir das Weglassen große Probleme bereiten würde... Ich esse normalerweise zum Beispiel sehr gerne Ziegenkäse und Mozzarella. Das ging nun 4 Wochen lang nicht, aber ich habe wirklich sehr guten Käseersatz gefunden - vor allem die Käseersatzalternativen von SimplyV sind mehr als zu empfehlen.


Habe ich mich vorher mit dem Thema "vegan leben" & "Veganismus" viel auseinandergesetzt? Nein, das habe ich tatsächlich nicht. Ich würde mich aber auch nicht als täglichen Fleischesser bezeichnen. Ich esse einfach das, was mir schmeckt und was Spaß in der Zubereitung bringt, da ist mir dann auch ehrlich gesagt egal, ob das Fisch, Fleisch oder rein pflanzlich ist. Daher bin ich ohne große Vorbereitung an mein Experiment gegangen.


Also, was hat sich denn nun getan?


1) Was hat Veganismus mit meinem Körper angestellt

Natürlich stellt sich der Körper um, wenn man auch seine Ernährung umstellt. Das ist ja ganz klar. Es dauert ein wenig, bis das passiert ist und man einen Unterschied merkt.


Die erste Woche war für mich daher auch extrem schwer. Egal was und wie viel ich gegessen habe, ich hatte immer ein Hungergefühl und habe nie das Gefühl gehabt, dass ich wirklich satt bin. Meine Ernährung war dabei aber sehr ausgeglichen und außer, dass ich eben alles tierische weggelassen hatte, hat sich nichts geändert - ich habe Ballaststoffe, Kohlenhydrate, Vitamine und Proteine zu mir genommen. Nach ungefähr 5 Tagen habe ich dann eine Besserung verspürt. Meine Ernährung blieb gleich, aber ich habe über den Tag verteilt mehr Obst und Gemüse zu mir genommen und von den anderen Gerichten teils sogar kleinere Portionen gegessen und war wirklich satt. Ab der 3 Woche war mein Hungergefühl wieder komplett normal und eingepegelt und ich bilde mir sogar ein, dass ich aktuell auch mit kleineren Versionen zu recht komme.


An einem Tag gab es eine Tofu-Hack-Bolognese mit selbstgemachten Nudeln (weil kein Ei). Die Portion am 2. Tag war wirklich klein, wenn ich meinen Kollegen im Büro glauben schenken kann bzw. auf die Größe der Tupperdose vertraue. Trotzdem fühlte ich mich voll bis zum Abend und brauchte auch zwischendurch keinen Snack.


2) Körperliches Befinden

Ab Tag 4 bis ungefähr Tag 11 war mein Körper im Umschwung. Meine Verdauung hat sich komplett umgestellt - keine Angst, ich gehe in keine Details ;) und ich habe mich teilweise einfach nur aufgebläht und wirklich unwohl gefühlt. Zwischenzeitlich hatte ich sogar mal überlegt, ein eiskaltes Glas Milch direkt aus dem Kühlschrank zu trinken, damit überhaupt etwas passiert. Ich habe mich in den 7 Tagen wirklich äußerst unwohl gefühlt. Zum Glück ging dieses Gefühl nach etwa einer Woche, als 1 1/2 Wochen nach Projektstart dann vorbei und seitdem geht es mir blendend und das meine ich nicht nur auf meine Verdauung bezogen.


Ich habe sehr häufig Kopfschmerzen. Woher die kommen, nun ja, dafür gibt es unterschiedlichste Gründe - Stress, zu wenig Getrunken/Gegessen, Genetisch bedingt - wer weiß das schon?! Während meines veganen Monats hatte ich jedoch nicht 1x Kopfschmerzen - ob das nun an der Ernährung liegt oder nicht, vermag ich nicht zu beurteilen, aber es ist mir aufgefallen, da ich sonst mindestens 1-2x pro Woche unter Kopfschmerzen leide.


3) Seelisches Befinden

Ab Woche 2 und nachdem Hungergefühl und Verdauung dann wieder richtig eingestellt waren, hatte ich außerdem sehr viel mehr Elan und Kraft für alles. Ich konnte wieder joggen gehen mit einem tollen Gefühl dabei, ich bin abends nach einem langen Arbeitstag nicht um 20 Uhr auf der Couch eingeschlafen, ich habe teilweise ganze Wochenenden stehend in der Küche verbracht, ohne danach komplett K.O. zu sein und habe mich einfach generell gut gefühlt. und hatte immer Elan und Kraft Neues auszuprobieren. Auch das teilweise normale "Mittagstief" ist bei mir ausgeblieben. Während die Kollegen nach dem Mittagessen oftmals in den Seilen hingen, ging es bei mir direkt weiter. Ich bilde mir auch ein, dass ich in den letzten 4 Wochen viel mehr geschafft habe als sonst.


Mir ist zudem aufgefallen, dass ich weniger Tage hatte, an denen ich mich niedergeschlagen oder kraftlos gefühlt habe. Ich habe mich, was den seelischen Zustand angeht, von Beginn an rund um Wohl in meiner Haut gefühlt und hatte jeden Tag ein gutes Gefühl bzw. bin mit einem guten Gefühl aufgestanden. Das ist bei mir durchaus nicht üblich, was bei gewissen Krankheiten einfach dazugehört. Egal was also noch kommt, in dieser Hinsicht war das Experiment ein voller Erfolg für mich. Ich würde nicht soweit gehen und vegane Ernährung jedem Menschen mit einer psychischen Vorerkrankung empfehlen, ich bin ja keine Medizinerin, aber mir hat es auf jeden Fall geholfen.


4) Gewicht:

Ein schwieriges Thema. Ich habe eingangs ja erwähnt, dass ich seit langem WeightWatchers mache und somit regelmäßig einmal die Woche auf der Waage stehe und mein Gewicht somit sehr gut im Blick habe und Veränderungen schnell feststellen kann. Der Mythos veganer Ernährung ist ja auch oftmals, dass man dadurch abnimmt und alle VeganerInnen schlank sind - könnt ihr euch den Schock vorstellen, als dann nach 2 Wochen ein + auf der Waage stand? Ich war ehrlich gesagt schon etwas niedergeschlagen - ich habe ja so gut wie jedes Fertigprodukt weggelassen, sehr viel Obst und Gemüse gegessen und kleinere Portionen zu mir genommen. Aber unser Körper macht nun mal, was er will und jeder Körper geht auch anders mit Veränderungen um. Meiner braucht eben seine Zeit.


Jetzt, nach 4 Wochen konsequenter veganer Ernährung (ja, ich habe nicht ein einziges Mal gecheated und Chancen gab es viele) kann ich verkünden, dass ich den Monat mit einem Minus auf der Waage abgeschlossen habe. Das liegt bei etwas mehr als -1kg. Das ist durchaus ein Resultat mit dem ich mehr als zufrieden bin.


Solltet ihr erwarten, schnell mit pflanzlicher Ernährung abzunehmen, kann ich euch nur davon abraten. Das ist in keinem Fall gesund. Dann doch lieber stetig aber dafür beständiger.


Jetzt habe ich euch genug über die Veränderungen in meinem Körper unterrichtet... was ist mir denn sonst noch aufgefallen?



5) Auswahl veganer Lebensmittel & Restaurants

Diesen Punkt habe ich tatsächlich etwas falsch eingeschätzt zu Anfang. Ich dachte nicht, dass es soo viele vegane Alternativen gibt und mir ist auch vorher nie aufgefallen, dass es in den meisten Supermärkten bereits "Vegane/Vegetarische" Regale gibt. Je nach Größe des Marktes variieren diese natürlich, aber die schiere Masse an veganen Lebensmitteln hat mich etwas überwältigt. Zu Beginn des Experiments habe ich einen Tipp gelesen - "Fang nicht direkt mit veganem Käse an, wenn Du Käse liebst" - natürlich habe ich NICHT drauf gehört und mir direkt veganen Käse mitgenommen. Auf welche Marke ich da zurückgegriffen habe, lest ihr weiter oben. Seitdem habe ich einige Käsealternativen ausprobiert, aber ich bin immer wieder zu SimplyV zurückgekommen. Egal ob Käsescheiben, Schmelzkäse, Reibekäse oder Streichkäse, diese Alternativen sind in meiner persönlichen Meinung die besten.


Bei der Wurst habe ich viel auf Rügenwalder oder die Eigenmarken von Rewe gesetzt. Natürlich waren hier auch mal Dinge bei, die mir absolut gar nicht geschmeckt haben, aber glücklicherweise haben wir alle einen unterschiedlichen Geschmack und so konnte ich die "Wurst" zB an meine Mama outsourcen :)


Vegan Essen zugehen fand ich auch sehr einfach. Ich muss aber auch zugeben, dass ich mich in den letzten 4 Wochen nur in Großstädten wie Frankfurt, Hannover und Leipzig aufgehalten habe und die Auswahl an veganen Restaurants oder Lieferangeboten sehr großzügig ist. Egal ob Asiatisch, Orientalisch, Pizza oder Burger, es war alles dabei. Teilweise war ich in komplett veganen Restaurants essen - hier nochmal ein großes Dankeschön eine meine BegleiterInnen, dass sie mich unterstützt haben - und teilweise gab es Lieferdienste, die neben normalen, tierischen Speisen auch vegane Alternativen im Angebot hatte. Ich weiß aber natürlich nicht, wie sich das verhalten würde, wenn ich auf dem Land leben würde. Da könnte ich mir vorstellen, dass gerade das Essen gehen oder bestellen eine deutliche Herausforderung darstellt. Aber vielleicht habt ihr da ja auch andere Erfahrungen gemacht?!


6) Der Spaß am Kochen

Ich habe in den letzten 4 Wochen wieder mit so viel Freude in der Küche gestanden wie schon lange nicht mehr. Der bloße Gedanke daran, Neues auszuprobieren und vielleicht ein bisschen zu experimentieren, hat mich regelrecht beflügelt. Ich habe teilweise abends nach der Arbeit noch Essen für den nächsten tag vorgekocht oder am Wochenende 8h in der Küche verbracht und die unterschiedlichsten Sachen gekocht oder gebacken. Ich konnte so viel - für mich - Neues ausprobieren und so viel für mich mitnehmen, bei dem ich auf jeden Fall versuchen werde es beizubehalten.

7) Ist vegan leben teuer?

Ganz ehrlich? ich war mir erst nicht sicher, ob ich diesen Punkt mit aufnehmen werde, aber da ich euch meine persönlichen Erlebnisse schildern möchte und dabei offen und ehrlich sein will, habe ich mich dafür entschieden. Ja, ich fand die letzten 4 Wochen teurer als meine normalen Monate und Einkäufe. Beim ersten Wocheneinkauf Anfang des Monats war das ja noch normal, da ich erstmal mit den Grundlagen aufstocken musste, aber auch in den danach folgenden Wochen sind meine Ausgaben für Lebensmittel konstant hoch geblieben. Versteht mich nicht falsch, ich sage nicht, dass Veganismus super teuer ist, aber es fällt schon auf. Das kann zum Einen daran liegen, dass die Ersatzprodukte einfach teurer sind (siehe Milch), das kann aber zum Anderen auch daran liegen, dass die Lust Neues auszuprobieren auch dazu führt, dass man mehr einkauft. Daher habe ich in der 4. Woche mal genau drauf geachtet, was ich kaufe und nach Plan eingekauft - trotzdem lang der Preis etwas höher als normal. Ich habe sehr viel Obst und Gemüse und frische Produkte gekauft, die natürlich teurer sind.


Alles in Allem ist es aber erträglich und wenn man ein Budget hat und vor allem nicht planlos einkaufen geht, dann geht es auch.


8) Gibt es Sachen, die mir nicht gefallen haben?

Da gibt es relativ wenig. Der Preis wäre wohl eines dieser Dinge. Ansonsten fand ich teilweise die Kommentare, die ich bekommen habe, etwas unschön... "Warum machst Du das?", "Willst du mich jetzt auch bekehren?" "Was kannst du denn überhaupt noch essen?" "Ernährst Du dich täglich nur von Salat?" "Bist du jetzt in einer Sekte?"... das sind nur ein paar der Dinge, die von Freunden oder Kollegen kamen.


Nein! Ich bin in keiner Sekte und ich möchte auch niemanden zu irgendetwas bekehren. Jede/r kann gerne das essen, was er/sie möchte. Ich wollte das Ganze für mich ausprobieren und habe es 4 Wochen lang durchgezogen. Es sollte dabei meine Entscheidung sein, was ich esse und was nicht und selbst wenn ich mich 4 Wochen lang von Salat ernährt hätte... ja und?


Mir hat das Ganze in den letzten 4 Wochen ein sehr gutes Körpergefühl und eine anderen Einstellung zum Essen und Kochen gegeben und das war doch Hauptziel der Sache.


Was werden ich denn beibehalten?

Ich denke, ich werde schon darauf achten, dass ich in der Woche auch viele fleischlose Rezepte in meinen Alltag integriere und manche Dinge einfach beibehalte. Einige der Lebensmittel, die ich in den letzten Wochen gekauft habe, sind mir wirklich ans Herz gewachsen - der Käse oder der Wurstersatz. Auch finde ich vegane Schokolade teilweise mittlerweile sogar viel leckerer als Normale und kann mir daher sehr gut vorstellen, öfter auf diese zurückzugreifen.


Ich werde bei der Ernährung auch wieder stärker auf meinen Körper und mein Körpergefühl hören. Mit pflanzlicher Ernährung ging es mir sehr gut, da werde ich natürlich daran festhalten.


Aber es gibt es Dinge, die mir nicht fehlen werden

Der Verzicht auf Sachen, die mir schmecken zum Beispiel. Ich habe mich schon stark zusammenreißen müssen, dass ich nicht doch Ei oder so gegessen habe. Es wird mir daher nicht fehlen, dass ich nun strikt auf jegliche Zutaten achten muss, die irgendwo enthalten sind. Ich muss nicht mehr bei jedem Einkauf jede Packung durchlesen, was denn enthalten ist. Auch Kompromisse werden mir nicht fehlen - Kompromisse mit Freunden zB wo man essen geht oder was man kocht, wenn eine Person nicht vegan oder vegetarisch ist. Die Freiheit selber entscheiden zu können was ich wann esse ist doch ein tolles Gefühl :)


Fazit

Der Monat war auf jeden Fall spannend und eine Herausforderung und ich nehme viele Dinge für mich persönlich mit. Vegane Ernährung ist nicht schwer und die Lebensmittelindustrie macht es einem neuerdings auch relativ einfach vegan zu leben. Ich kann mir sehr gut vorstellen, mehr vegane Gerichte in meinen Alltag zu integrieren und vor allem im nächsten Jahr wieder am Veganuary teilzunehmen.




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